Moritz und Publikum

Fri­schen Wind in die Start­up-Sze­ne bringen

Wie gelingt der Durchbruch in der Bau- und Immobilienbranche? Welche Geschäfts- und Innovations-Kultur braucht es? Diese und andere Fragen diskutierten ExpertInnen und JungunternehmerInnen Ende September am Netzwerkanlass der Startup Academy Liestal. Damit neue Ideen landen und daraus Firmen entstehen können, brauche es die passenden Rahmenbedingungen wie Beratung und Bildung, betonte Regierungsrat Isaac Reber.

Die Bau- und Immobilien-Branche boomt. In diesem Sektor gab es gemäss dem Beratungsunternehmen „Dun&Bradstreet“ im ersten Halbjahr 2021 mit über 50 Prozent Zuwachs die meisten Firmengründungen in der Schweiz. Die Dynamik der Branche zeigt sich auch an der alle zwei Jahre stattfindenden Basler Swissbau-Messe, die mit ihrem «Innovation Lab» eine Plattform für die digitale Transformation in der Bau- und Immobilienwirtschaft bildet. Damit erhofft sich Rudolf Pfander, Exhibition Director Swissbau, «frischen Wind auch für Startups, um die lebenswichtige Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen».

 

Als einer von dreizehn Branchen-Clustern unterstützt die Startup Academy in diesem Sektor Jungunternehmen mit gezielten Begleitprogrammen in ihrem Geschäftswachstum und bereitet sie u.a. systematisch auf einen Auftritt im Finale an der Swissbau 2022 vor. Für die «Swissbau Startup Challenge 2022» haben sich gemäss Moritz Kistenmacher, Geschäftsführer Startup Academy Liestal, 30 Startups sowie Scale-ups aus der Schweizer Bau- und Immobilien-Branche angemeldet, 5 davon aus dem Kanton Baselland; 22 haben im Vorfeld des Netzwerkanlasses in Liestal in der 2. Runde mit innovativen Geschäftsmodellen gepitcht. 

 

Region ist Wirtschaftsmotor für die Schweiz

Laut Regierungsrat Isaac Reber, Vorsteher Bau- und Umweltschutzdirektion Baselland, ist die Region gut aufgestellt und sei ein Wirtschaftsmotor für die Schweiz. Damit es brummt, hier Innovation und die Startup-Community weiter überdurchschnittlich gut gedeihen bzw. wachsen, müssen neue Ideen auf dem Markt landen und daraus nachhaltig Unternehmen entstehen können. Dafür brauche es die passenden Rahmenbedingungen wie Beratung und Förderung von Wissen, betonte Regierungsrat Isaac Reber am Netzwerkanlass. Dazu investieren die Kantone Baselland und -stadt in ihre Hochschulen und in die Spitzenforschung wie mit dem kürzlich eingeweihten Biozentrum und der ETH (Departement Biosysteme) in Basel, dem SIP (Switzerland Innovation Park Basel Area) in Allschwil, wo einst Actelion und jetzt Indorsia (Pharmaceuticals) entstanden sind u.a.m. «Um die Firmen von morgen zu werden, benötigen angehende UnternehmerInnen auch Gründungsberatung und Begleitung durch die ansässigen Business- und Technoparks und anderen Organisationen (wie der Startup Academy)», so Reber weiter.

Robert Sum von der Standortförderung Baselland (Foto rechts) hat selbst mit einem Startup im Tenum-Gebäude in Liestal begonnen und war damals froh um Unterstützung. «Heute erhalten FirmengründerInnen im Rahmen der Fördermassnahmen des Kantons Baselland kostenlose Beratung. Diese erfolgt durch die Partner-Organisationen der Initiative «startup baselland. (Die Leistungen sind auf der Website (www.startup-baselland.ch) zusammengefasst.)
Sum bestätigte, dass die Startup-Szene in der Baubranche sehr aktiv sei, was sich auch an den (Gründungs-)Anfragen am Welcome Desk der Standortförderung widerspiegle.

«Zeit, die Axt zu schleifen»

Marc Beermann, Mitgründer von «darkbluewater capital» und ehemals von «Allthings», einer stark wachsenden digitalen Mietermanagement-Plattform, hofft sogar, dass die Branche mehr unter Druck gerät, um schneller in Fahrt zu kommen, wo sie ja der Entwicklung eher hinterherhinke: «Wir müssen Bäume fällen und haben keine Zeit, die Axt zu schleifen». Er findet sogar, dass Regulierungen Startups weiterbringen würden und verglich dies mit der Situation am Berliner Flughafen, wo jetzt jedes Projekt an Ausschreibungen digital (via BIM) belegt werden muss.

Staat stellt kein «Fördergeldbeglück-System»

Der umtriebige Unternehmer pendelt zwischen Berlin und Zürich und unterstrich in der Podiumsdiskussion, dass die Schweiz ein guter Markt für Gründung und Aufbau einer Firma (Deutschland hingegen das bedeutend härtere Pflaster) sei. Coaching, Förderprogramme und -gelder seien gut für den Start, erklärte Beermann (Foto Mitte), doch danach brauche es Kunden und Aufträge.
Sum betonte, dass hier der Staat mit seinen Initiativen bewusst Hilfe zur Selbsthilfe ermögliche und kein «Fördergeldbeglück-System» sei: «Wir offerieren Schleifsteine für die Axt und die Anleitung fürs Schleifen.»

Riesen-Innovations-Welle durch Corona

Immobilien- und Bauunternehmen hätten jedenfalls die Zeit während des Lockdowns gut genutzt, um den (digitalen) Wandel weiter voranzutreiben, waren sich die ReferentInnen am Netzwerkanlass der Startup Academy einig.

Gemäss Barbara Sintzel, Leiterin Institut für Nachhaltigkeit und Energie am Bau, FHNW, «hat Corona sogar neue Themen aufgepoppt». So lösen jährlich rund 17 Millionen Tonnen Bauschutt eine riesige Innovationswelle mit echten Neuerungen aus. Sie sieht in der Digitalisierung den einzigmöglichen Weg zur Effizienzsteigerung, um Ressourcen zu schonen und Zeit zu sparen. Hier müsse man gemäss Sentzel den «Mindshift» ändern und auch mal undenkbare Massnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit ergreifen (Foto 2.v.r.).

U.a. werden unterstützende Auswertungs-Tools benötigt. So lässt sich z.B. «MyEnergyGuide» nach einer Situations-Analyse gut auf die Bedürfnisse eines Hausbesitzers konfigurieren, kann man selbst ein ganzes Areal oder Dorf mit dem «digitalen Energieberater» effizient durchsimulieren, um beispielsweise den CO2-Ausstoss zu reduzieren, wie MyEnergyGuide-Mitbegründer Markus Weber erklärte.

 

Bericht: Kathrin Cuomo-Sachsse, Kommunikation startup baselland