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Now or never: Das Start­up Soma­ho wur­de mit­ten in der Pan­de­mie gegründet

Ein Tag ohne Kaffee? Für viele absolut undenkbar. So auch für Vanía Nzeyimana, die Gründerin des Startups SOMAHO. Sie hat Kaffee, genauer gesagt Kaffeehandel, zum Beruf gemacht. Und das mitten in der Corona-Pandemie. Ganz nach dem Motto «Now or never». Vanía bringt ruandischen Spezialitätenkaffee direkt an Röstereien in Europa. Ohne Umwege, fair und nachhaltig. Und ist damit eine von ganz wenigen Frauen der Welt, die im Kaffeehandel tätig sind.

Den «entrepreneurial spirit», also Unternehmergeist, hatte sie schon immer. Vanía Nzeyimana verkaufte schon immer gerne Sachen. Zum Beispiel Gutzi vor dem Skilager mit der Schulklasse. Nicht weil sie musste, sondern weil es ihr Spass machte. Während dem Studium arbeitete sie oft als Hostesse an Messen und verkaufte dort unter anderem auch mal Kaffee für einen Social Entrepreneur. Da tauchte sie zum ersten Mal ein in die faszinierende Welt des Kaffees. Und wurde in ihren Bann gezogen. «Kaffee ist ein so schönes, dankbares Produkt. Es ist ein Stück Alltag, für mich auch ein Stück Zuhause. Die meisten haben fast keine negativen Assoziationen mit Kaffee. Ausser vielleicht ‘oh ich habe heute zu viel Kaffee getrunken’. Alle wollen Kaffee – und brauchen ihn sogar,» so die Gründerin von Somaho.

Wenn plötzlich alles Hand und Fuss hat

Das Wort Somaho ist ruandisch und heisst übersetzt «Nimm einen Schluck». Vanía kommt aus Ruanda, dem Kaffee-Anbau-Land, und wollte schon immer irgendwie die Brücke schlagen zwischen ihrem Herkunftsland und der Schweiz, wo sie heute lebt. Nach ihrem Jus- und Politikwissenschaftsstudium arbeitete sie jedoch zunächst im öffentlichen Sektor. Nach sechs Jahren hatte sie dann aber Lust auf etwas Neues und entschied sich dazu, ein Coaching zu machen, um herauszufinden, in welche Richtung es gehen könnte. Da kam die Kaffee-Idee auf. Als Übung musste Vanía im Rahmen des Coachings direkt einen Plan erstellen, wie ein solches Kaffee-Business aussehen könnte, wie sie es realisieren könnte. Und dabei merkte sie: Das könnte ich ja tatsächlich umsetzen.

Ohne jemandem von ihrer Idee zu erzählen, begann sie dann mit der Recherche. Dabei lernte sie irgendwann ihre heutige Geschäftspartnerin in Ruanda kennen und besuchte sie. Und plötzlich hatte alles Hand und Fuss.

Einfach loslegen – Pandemie hin oder her

Mitte März 2019 reiste Vanía nach ihrem Aufenthalt in Ruanda wieder zurück in die Schweiz und wusste: Das will ich machen. Now or never. Eine Woche später kam der Lockdown. Alles über Bord zu werfen, kam für sie aber nicht in Frage: «Ich dachte mir: Entweder kann ich das als Anlass nehmen, es nun doch nicht zu machen. Oder ich versuche es einfach. Im schlimmsten Fall wird nichts draus. Die Pandemie wäre eine einfache Entschuldigung gewesen, meiner Angst Raum zu geben. Alle hätten es verstanden. Das wäre mein ‘way out’ gewesen. Aber ich wollte es trotzdem machen.»

Sie entschied sie sich dazu, weiter an ihrer Idee zu feilen und meldete sich dann im Frühjahr 2020 fürs Startup Academy Begleitprogramm an – und zwar in ihrem damaligen Wohnort Bern. Rückblickend das für sie der erste richtige Schritt in Richtung Selbständigkeit: «Damit machst du dich vulnerabel. Du erzählst anderen von deiner Geschäftsidee. Das war aber ein sehr bewusster Entscheid.» Und dieser hat sich gelohnt. Vanía konnte ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und erhielt einen Mentor an die Seite gestellt, zu dem sie bis heute eine super Beziehung hat, wie sie selbst sagt.

Im 2020 wurde Somaho dann offiziell gegründet und Vanía begann – mitten in der Pandemie – damit, Rohkaffee aus Ruanda zu importieren und ihn direkt an Röstereien zu verkaufen. Diese rösten den Kaffee und verkaufen ihn direkt weiter oder schenken ihn im eigenen Café aus. Ihren Spezialitätenkaffee verkauft sie heute bereits an Röstereien in der Schweiz und in Deutschland.

Die Realität ist sowieso anders als deine Pläne

Während der Corona-Krise ein Startup zu gründen war natürlich nicht immer nur einfach. Gerade die Gastronomie war und ist stark von der Pandemie betroffen. Da die meisten Veranstaltungen und Messen abgesagt oder verschoben wurden, war Vanía oft alleine und konnte sich weder mit anderen Gründerinnen und Gründern austauschen noch potentielle Kunden an Kaffeemessen kenne lernen. «Jede Krise meines Lebens war rückblickend sehr wertvoll. Das klingt nun, als wäre ich eine alte Frau – ich bin aber erst 33,» sagt sie und lacht. «Durch den Start während der Pandemie musste ich Dinge lernen, die ich sowieso irgendwann hätte lernen müssen. Nun kamen alle Probleme etwas schnell und gleichzeitig. Aber das ist so wertvoll. Und ich kenne es ja nun auch nicht anders.»

Dank ihrer positiven Einstellung und ihrem Unternehmergeist konnte Vanía schon verschiedene Kunden gewinnen. Die Suche nach weiteren Geschäftskunden, zu denen sie langfristige Beziehungen aufbauen kann, geht aber natürlich weiter. Für Nachschub ist nämlich bereits gesorgt: Die neue Ernte, Vanías zweiter Container, kommt diese Woche in der Schweiz an!

Vanía hat den Schritt in die Selbständigkeit trotz schwieriger Umstände gewagt und würde anderen raten, es auch einfach zu probieren: «Wenn du eine Idee, Lust und das Gefühl hast, die Zeit sei reif, dann lege los. Pandemie hin oder her. Die Realität ist sowieso immer anders als deine Pläne. Mit oder ohne Pandemie.»

Möchtest du in deinem Lieblings-Café, Zuhause oder im Büro den leckeren Spezialitätenkaffee von Somaho trinken? Dann mache die Rösterei oder dein Lieblings-Café auf Somaho aufmerksam: somaho.ch