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Frische Crêpes aus dem Roboter

Nach seinem Doktorat an der EPFL hatte Robert Hennig eigentlich den nächsten Schritt in der akademischen Forschung vor Augen. Dann entschied er sich anders: für eine Garage, einen 3D-Drucker und einen Roboter, der frische Crêpes backt. Seither tüfteln Robert und sein Bruder Marten mit ihrem Startup Maus Robotics an einem Crêpe-Automaten, der frisches Essen transparent, hygienisch und rund um die Uhr zugänglich machen soll. Der erste Prototyp ist bereits im Einsatz.

Angefangen hat alles mit einer alltäglichen Erfahrung: Während Robert an einem Satellitencampus der EPFL doktorierte, blieb die Kantine über längere Zeit geschlossen. Obwohl die Hochschule das Angebot subventionierte, lohnte sich der Betrieb wirtschaftlich nicht. Was blieb, war der Supermarkt um die Ecke. Für den Robotikingenieur stellte sich damit eine Frage: Warum lässt sich gutes, frisches Essen in der Schweiz so schwer wirtschaftlich betreiben und könnte Automatisierung etwas daran ändern? «Technologisch ist fast alles automatisiert, aber wir kochen noch immer wie im 18. Jahrhundert», sagt er.

Maus Robotics ist die Antwort darauf. Das Startup entwickelt einen Automaten, der frisches Essen zubereitet. «Wie ein Snackautomat, aber statt eines Riegels wird ein frischer Crêpe aus hochwertigen Zutaten zubereitet», erklärt Robert. Dass das Konzept funktioniert, hat das Team bereits unter Beweis gestellt: Im Oktober 2025 kam der erste Prototyp am TasteUp Event der Startup Academy Basel zum Einsatz; Anfang 2026 folgte ein einwöchiges Pop-up im Basler Café Kafka.

Der Crepe Roboter als Pop-Up im Café Kafka Basel

Von der Schnapsidee zum ersten Prototyp

Die Idee begann, wie Robert selbst sagt, als «Schnapsidee». Frustriert mit den Supermarkt-Sandwiches, hatte er ursprünglich über einen Nudelroboter nachgedacht. Eine Unterhaltung mit zwei Freunden bei einem Bier auf dem Balkon brachte ihn dann aber auf Crêpes. Konkret wurde die Idee erst durch einen Entrepreneurship-Kurs von Innosuisse, wo er das Konzept pitchte und statt Skepsis überraschend viel Neugier erntete. Andere Kursteilnehmer boten sich an mitzumachen, Zahlen wurden durchgerechnet, ein Businessmodell entworfen. Um zur Abschlusspräsentation nicht nur eine PowerPoint vorzulegen, kaufte er eine elektrische Crêpes-Platte, stellte sie auf einen Drehtisch und filmte, wie ein Rechen automatisch den Teig verteilte. Wenig später stand ein funktionierender Prototyp.

Unterstützt wurde er von seinem Bruder Marten, der zu diesem Zeitpunkt seinen Master an der Yale University absolvierte. Über die Yale-Verknüpfung meldeten sich die beiden für ein US-Accelerator-Programm an und wurden aufgenommen. Das Coaching und die dort erlebte «just do it»-Mentalität bestärkte sie in einem Grundsatz, den das Team seither konsequent verfolgt: früh rausgehen und testen, statt im stillen Kämmerlein zu optimieren. «Wenn dir dein erster Prototyp nicht ein bisschen peinlich ist, bist du zu spät gestartet», sagt Robert.

Gleichzeitig profitierte Maus Robotics auch vom Schweizer Startup-Ökosystem, insbesondere vom Netzwerk der Startup Academy Basel. Mentoring im Bereich Food Safety und Hygienevorschriften half, regulatorische Hürden frühzeitig zu meistern. Die ersten öffentlichen Einsätze lieferten wertvolles Feedback; hunderte Crêpes konnten produziert werden, zunehmend autonom überwacht via App. «Auf dem Handy zu sehen, da hat jemand bestellt, das war ein wirklich tolles Gefühl», sagt Robert.

Durchhaltevermögen und Kreativität

Wie bei jedem technologischen Startup blieb auch hier nicht alles reibungslos. Die grösste technische Hürde war die gleichmässige und zuverlässige Teigverteilung auf einer heissen Platte, ohne manuelle Eingriffe und ohne Reinigung nach jedem Durchgang. Anderthalb Jahre lang arbeitete Maus Robotics mit einem Spatel-System. Es funktionierte meistens, aber nicht konstant: Minimale Unebenheiten in der Platte führten zu Ausreissern, der Spatel verschmutzte mit der Zeit. Also wurde das Problem neu gedacht. Die Lösung war Luft: eine kontaktlose Methode, bei der Luftdruck den Teig gleichmässig verteilt, unabhängig von Unebenheiten, ohne Reinigung zwischen Durchgängen und mittlerweile patentreif.

Solche Umwege hält Robert für einen normalen Teil des Prozesses. «Resilienz ist entscheidend: Es gibt Abende, an denen nichts funktioniert. Man macht trotzdem weiter», sagt er. Diese Haltung hat er vor allem aus der Arbeitsweise mitgenommen, die ein Doktorat verlangt: strukturiert analysieren, iterieren, nicht aufgeben.

Gründer Marten und Robert Hennig mit dem Roboter Prototyp

Vision: Modulare Roboter-Foodcourts

Mit dem funktionierenden Prototyp rücken neue Herausforderungen in den Fokus: Logistik und Markenaufbau. Frische Zutaten müssen täglich nachgefüllt, Prozesse aufgebaut und Qualitätsstandards gesichert werden. Neben der technischen Optimierung, etwa einer robusten Gehäuselösung, wird deshalb mittelfristig die Customer Experience zentral: Wie wird aus einem Robotikprojekt ein wiedererkennbares Food-Erlebnis?

Längerfristig denken die Brüder Hennig über die süsse Crêpe hinaus. Herzhafte Varianten mit Buchweizen sind bereits konkret geplant; daneben interessieren sie internationale Adaptionen des gleichen Grundprinzips. Über 46 kulturelle Variationen von dünnem, gefülltem Teig existieren weltweit, von der indischen Dosa bis zur mexikanischen Tortilla. Die langfristige Vision sind modulare Systeme: verschiedene Geräte für unterschiedliche Gerichte, kombinierbar wie ein Foodcourt, nur vollautomatisch. Standorte mit hoher Frequenz wie Bahnhöfe, Flughäfen oder Freizeitparks bieten dabei enormes Potenzial.

Learnings für angehende Gründer:innen

An Gründerinnen und Gründer, die ähnliche Wege gehen wollen, hat Robert eine klare Botschaft: früh testen, auf Feedback hören, auch von Menschen ausserhalb des Fachgebiets, und Ablehnung als Information begreifen, nicht als Urteil.  Auch starke Netzwerke und erfahrene Mentorinnen und Mentoren verkürzen die Lernkurve erheblich und ermöglichen Zugang zu Wissen und Kontakten, die den Entwicklungsprozess spürbar beschleunigen.

Maus Robotics steht noch am Anfang. Doch die Reise vom Forschungslabor zur autonomen Crêpe-Produktion zeigt, wie technologische Exzellenz, Pragmatismus und unternehmerischer Mut zusammenwirken können. Und dass die Idee für ein Startup manchmal bei einem Bier auf dem Balkon beginnt.