Live gehackt: BaselTech Unlocked zeigt, was die Region schon hat und was noch fehlt
Am 27. August 2026 luden die Startup Academy Basel und BaselTech zur zweiten Ausgabe von BaselTech Unlocked ins A66 an der St. Alban-Anlage, ein Haus mit Geschichte, das heute für «Open Communication» steht. Nach dem Auftakt im Juni mit über 100 Teilnehmenden war auch diese Ausgabe mit erneut mehr als 100 Teilnehmenden sehr gut besucht. Durch den Abend führte Markus J. Fischer, Geschäftsführer der Startup Academy Basel.
«Niemand sucht euch aus»
Den Einstieg machte Alain Haldi von BDO mit einer Annahme, die er von Unternehmerinnen und Unternehmern immer wieder hört: Cyberangriffe träfen vor allem andere, das eigene Unternehmen sei zu klein, um interessant zu sein. Genau das sei gefährlich. Angriffe laufen heute automatisiert, Systeme durchsuchen rund um die Uhr das Internet nach Schwachstellen. Ob die offene Tür bei einem Konzern oder bei einem Familienbetrieb steht, ist zweitrangig. Wie stark die Bedrohung zugenommen hat, zeigen die Meldungen beim Bundesamt für Cybersicherheit: von rund 21’700 im Jahr 2021 auf über 64’000 im Jahr 2024.
Für die praktische Seite hatte Haldi einen Kollegen aus seinem Team dabei, der als Ethical Hacker arbeitet und die Angriffe live vorführte. Am Beispiel der Phishing-Welle rund um die Business-Software Bexio, von der im Mai 2026 potenziell über 100’000 Firmenkunden betroffen waren, wurde sichtbar, wie unauffällig ein Angriff beginnt: Die Anmeldemaske war exakt nachgebaut, das Login scheiterte scheinbar an einer kurzen Störung, beim zweiten Versuch klappte es auf der echten Seite. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Zugangsdaten längst beim Angreifer. Im Hintergrund werden dann die IBAN auf den Rechnungen ersetzt, die Kunden überweisen auf ein fremdes Konto, und das Unternehmen verschickt automatisch Mahnungen. Aufgeflogen ist der Fall erst, weil sich ein Kunde über eine Mahnung für eine längst bezahlte Rechnung beschwerte. Haldis Schlussfolgerung: Mehrfaktor-Authentifizierung macht gestohlene Zugangsdaten allein weitgehend wertlos.
Stimme und Gesicht sind kein Beweis mehr
Der zweite Teil galt Deepfakes. In Hongkong überwies ein Mitarbeiter der Finanzabteilung 2024 rund 25,6 Millionen Dollar nach einem Videocall, in dem der CFO und weitere bekannte Gesichter zu sehen waren. Alle waren gefälscht. Dass dies keine ferne Bedrohung ist, traf das Publikum unmittelbar: Aus einem einzigen Foto von Markus J. Fischer entstand in Echtzeit ein Videobild, mit dem der Hacker im Online-Call als Moderator des Abends auftrat. Täuschend echt, in Sekunden erzeugt, mit frei verfügbaren Werkzeugen. Was bleibt, sind Prozesse und Gewohnheiten: Zahlungsaufforderungen über einen zweiten Kanal verifizieren, ein Codewort für echte Notfälle vereinbaren, das Vier-Augen-Prinzip bei grösseren Zahlungen, keine Kontowechsel per Telefon oder E-Mail.
Den Abschluss bildete ein handelsübliches USB-C-Kabel mit einem Computer im Stecker, das unbemerkt im Browser gespeicherte Passwörter abzog. Die Empfehlung fiel schlicht aus: nur Originalkabel verwenden, unterwegs die eigene Powerbank statt öffentlicher USB-Ports nutzen. Und, so Haldis Kernbotschaft an den Saal: Die beste Firewall sitze zwischen den Ohren.
Nicht das Kapital fehlt, die Brücke fehlt
Anschliessend stellte Moritz Kistenmacher die Kapitalbrücke beider Basel vor, eine neue Initiative der Startup Academy Basel und Baselland. Ausgangspunkt: 2025 wurden in der Schweiz 55’654 Unternehmen neu ins Handelsregister eingetragen, ein Allzeitrekord. Gleichzeitig ist «ran out of cash» laut CB Insights der zweithäufigste Grund, warum Startups scheitern. Basel habe viel Kapital in Form von Banken, Family Offices, Stiftungen und Business Angels, es liege aber in Silos. Was fehle, sei ein Ort, an dem sich Kapitalgeber und passende Startups regelmässig und strukturiert begegnen.
Genau das soll die Kapitalbrücke leisten: einmal jährlich ein Netzwerkanlass, zwei- bis dreimal jährlich eine Pitching Night mit kuratierter Auswahl und anschliessenden Matching-Gesprächen. Der Zugang für Startups führt über das Programm der Startup Academy, Zielgruppe sind Pre-Seed bis Series A. Gestartet wird mit zwei Clustern: Kreislaufwirtschaft mit Basel Circular und Innovation & Technologie mit BaselTech als Leitpartner. Die ersten Termine stehen: Kick-off am 29. Oktober 2026, erste Pitching Night am 2. Dezember 2026.
BaselTech als «Schmiermittel» des Ökosystems
Marc Schindelholz, Geschäftsführer von BaselTech, beschrieb seine Organisation augenzwinkernd als Schmiermittel des Ökosystems: Sie verbindet Akteure, ermöglicht Kontakte und stösst Kooperationen an, mit einem Kernteam von rund zweieinhalb Vollzeitstellen. Neben kantonalen Mietzinserleichterungen und der Vernetzungsplattform stellte er den Digital Accelerator Basel vor, der 2027 mit dem Fokus Supply Chain in die nächste Runde geht: vier Startups pro Jahr, Coaching im Wert von 10’000 Franken, 20’000 Franken Preisgeld, getragen von der Handelskammer beider Basel und den Wirtschaftsförderungen beider Kantone, umgesetzt durch BaselArea. Bewerbungsschluss ist der 1. November 2026.
Bemerkenswert ist die Entwicklung der Veranstaltungslandschaft: Noch vor zwei Jahren hiess es, in Basel finde im Tech-Bereich zu wenig statt. Inzwischen reiht sich Format an Format: Digital World, A.I OpenHouse, Hack am Rhy, BaselOne, BaselHack, Vibecode Fest, Sprintd Hack und Fu**up Nights. Dazu kommt der neue FHNW Campus Dreispitz in Basel, den die Hochschule für Wirtschaft und die Hochschule für Informatik der FHNW zum Herbstsemester am 1. September 2026 bezogen haben. Eine Community-Umfrage mit 22 Antworten zeigte zugleich, was noch fehlt: Netzwerk und Kontakte, Finanzierung und Investoren sowie Marketing und Sales. 73 Prozent gaben an, die bestehenden Angebote kaum oder gar nicht zu kennen. Man sei hier, um zuzuhören, sagte Schindelholz, und lud die Anwesenden ein, ihre Bedürfnisse einzubringen.
«Give & Get»: Was kann ich anbieten und was suche ich?
Im interaktiven Teil des Abends ging es statt um klassisches Networking um zwei Fragen: Was kann ich anbieten, und was suche ich? Zu sechs Themen fanden sich Gruppen zusammen, die sich rund eine Viertelstunde austauschten: «AI: From Hype to Impact», Talente und Kompetenzen, das Verhältnis von Startups und etablierten Unternehmen, der Weg von der Technologie zum Geschäftsmodell, Investment & Growth sowie die Frage, was Basel als Tech-Standort attraktiv macht.
Austausch beim Apéro
Den Ausklang bildete ein Apéro mit Catering von Sarah Kleiber und ihrem Kitchen Angel. Bei Essen und Getränken wurden die Gespräche des Abends weitergeführt, neue Kontakte geknüpft und Erfahrungen aus der eigenen Praxis ausgetauscht.
Die Startup Academy dankt Alain Haldi und seinem Kollegen sowie Marc Schindelholz für ihre Impulse, dem A66 für die Gastfreundschaft sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das grosse Interesse und den regen Austausch.